Genau hingeschaut! Am Harburger Bahnhof entdeckst du Spannendes.
Bahnhof Harburg / Gleis 3 und 4
Hannoversche Straße 85
, 21079 Hamburg

Genau hingeschaut! Am Harburger Bahnhof entdeckst du Spannendes.

Sonntag

Bahnhof Harburg / Gleis 3 und 4
Hannoversche Straße 85

Ort auf Karte anzeigen

Preis: kostenlos

Till Krause: Kunde von Nirgendwo

20. März — 16. Mai 2021

In den Vitrinen des Kunstverein Harburger Bahnhof wird im Frühjahr 2021 eine besondere Entdeckung aus dem Gebiet der Freien Flusszone präsentiert.

„Kürzlich machten wir in dem Dorf Bullenhausen ganz in der Nähe Harburgs einen Fund. Auf einer Seitenstraße in einem Sperrmüllhaufen lagen fünf Papierblätter mit einem Textausdruck, überschrieben mit der Zeile Abschrift nach den Papieren meiner Urgroßmutter Natalie Liebknecht. Ein vergessener Abschnitt aus William Morris’ KUNDE VON NIRGENDWO. Da uns der Fund eigenartig vorkam, nahmen wir ihn mit und begannen nachzuforschen. Natalie Liebknecht (1835–1909), im Netz ist wenig über sie zu finden, aber sie muss Erstaunliches bewirkt haben. Ihr Leben war eng mit der frühen sozialistischen Bewegung des 19. Jahrhunderts verbunden. Gemeinsam mit der Schriftstellerin Clara Steinitz (1844–1931) fertigte sie die erste deutsche Übersetzung von William Morris’ Roman News from Nowhere an.

Der Text scheint zunächst von einem unbedeutenden Spaziergang zu handeln, aber schnell führt er zu merkwürdigen Beschreibungen und Gedanken. Ein vergessener Abschnitt des Romans, so heißt es im Manuskript. Vergessen von William Morris? Von den Übersetzerinnen? Aus motivischen Vergleichen könnte man folgern, der Text stehe in Verbindung mit dem fünften Kapitel des Romans. Aber weder in den bekannten Veröffentlichungen noch in zugänglichen Handschriften von William Morris existiert eine solche oder ähnliche Passage.

Und ein weiterer Umstand scheint uns merkwürdig: der Fundort. (…) Was ist das für ein Gebiet, was könnte hier sein? Könnte es den auferlegten ökonomischen Funktionen und Beschränkungen entrissen werden und sich völlig verwandeln? Ausgerechnet hier ein solches Manuskript zu finden kommt uns wie eine Frage oder Aufforderung vor. Darum entschließen wir uns zur Veröffentlichung. In den Vitrinen des Kunstverein Harburger Bahnhof soll der Fund nun zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Von den Vitrinen aus führen mehrere Führungen und Streifzüge in das Gebiet der Freien Flusszone und zum Fundort.“

(Text: Till Krause)

Die KVHBF-Vitrinen sind auf den Bahngleisen 3 und 4 des Harburger Bahnhofs an sieben Tagen der Woche von 0 -24 Uhr zugänglich.

Weitere Informationen zu den Führungen und Streifzügen finden Sie hier.

Das Programm des Kunstverein Harburger Bahnhof wird ermöglicht von der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg & Liebelt-Stiftung, Hamburg.

Die Ausstellung Kunde von Nirgendwo ist Teil des Projektes Schaufenster in Kunst und Kultur und wird gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Bezirksamt Harburg.

Auf InstagramZur Webseite

Bilder via Maik Gräf